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Die Geschichte der Maisenhardt-Joggele



Die Geschichte vom Maisenhardt-Joggele


und Viktor von Scheffel


Maisenhardt-Joggele




Eine der Urgestalten der Säckinger Fasnacht ist der Maisenhardt-Joggele. Lassen


Sie mich von ihm und seinem Verhältnis zu unserer berühmten Dichtergestalt


Viktor von Scheffel berichten.




Er, der Autor des Trompeters von Säckingen, war dieserorts Rechtspraktikant am


Bezirksamt. Häufig führten ihn seine Amtsgeschäfte zu den Hotzen auf den Wald.


So erzählt er in einer Epistel vom Januar 1850 über eine Fahrt in den kalten und


verschneiten Hotzenwald, bei der er von dem Amtschirurgen Vogelbacher


begleitet wurde. Sie sollten den Tod eines Hotzenwälders feststellen. Dieser war


jedoch bei dem Eintreffen der beiden bereits beerdigt. Um die Ursache des


tödlichen Unfalls ? er war im Schnee erfroren - zu klären, begaben sich die


beiden in das Wirtshaus des Vaters des Verstorbenen, wo sie sich erst einmal mit


einem kräftigen Wässerlein wärmten. Scheffel vergisst nicht zu erwähnen, dass


der Amtschirurge Vogelbacher "die Bedeutung eines guten Schnapses zu jeder


Tageszeit so tief erfasst und den Kultus des gebrannten Geistes so andächtig


getrieben" hat, "dass auf 6 Stunden im Umkreis der durstige Mensch, wenn ihn


Kälte und Überzeugung zu einem ähnlichen Schritt veranlassen, nicht mehr sagt:


'Bringt mir einen Schnaps!', sondern, was zugleich viel plastischer klingt:


'Bringt mir einen Vogelbacher!'.


So saßen sie also in dem Wirtshaus des alten Balthes, wärmten sich mit


Vogelbacher auf und befragten die Angehörigen. Gewärmt von dem Brenz


-? wie der Schnaps auf dem Hotzenwald heißt - zogen die beiden weiter in


Richtung Egg. Gut gelaunt haben sie schon an Säckingen gedacht, doch so


Scheffel in seiner Epistel "der Mensch denkt und der Meysenhardt Joggele lenkt".




In Egg machten sie nochmals in einem Wirtshaus halt und kamen sehr schnell


mit den Leuten ins Gespräch. Diese erzählten dem Rechtspraktikanten von dem


Geist, der dort "umgoht" und die Leute irreführt. Alle kennen ihn nur unter dem


Namen "Meysenhart Joggele". Kaum hatten sie am späten Abend das Lokal


verlassen, rumpelten sie, irre geleitet durch den Joggele, an eine Felswand und


mussten erst mal ihr Schlittengefährt reparieren. Verwundert, wie lange es gehe.


"bis die Straße bergabwärts nach Säckingen führe", war es Scheffel, als ob der


"Meysenhart Joggele" ihnen auf der Deichsel den Weg weise. "Endlich schimmerte


ein fernes Licht. Kolumbus kann nach der Küste von San Salvador nicht


sehnsüchtiger geschaut haben als wir nach dem Licht. Wir kamen vor der


Behausung an... und wer kam hervor?" Es "war der ganz leibhaftige alte Balthes


Uicker", der Vater des Verstorbenen bei dem die beiden Säckinger als erstes am


Mittag eingekehrt waren.




Und von der Deichsel des Schlittens der beiden Säckinger hörte man den


Meysenhart Joggele mit stillem Gekicher, wie er folgende Standrede an die


beiden hielt: "Ersehet hiemit, hochweiser und gelahrter Doktor, wie weit ihr


Menschengeziefer mit all eurer Weisheit kommt; da kutschiert ihr mit aller


Sicherheit durchs Leben, und nach langer Irrfahrt kommt ihr doch wieder


dort an, von wo ihr ausgegangen seid ... während das Ziel gerade vor euch liegt,


fahrt ihr den Weg nach links, und nach ein paar Jahren Irrfahrt seid ihr wieder


am alten Fleck und habt Euch höchstens eine Erkältung zugezogen. Ersehet


hieraus ferner, dass es noch viel zwischen Himmel und Erde gibt, wovon nichts in


euren Kompendien steht, z.B. mich, den Meysenharts Joggele... Im übrigen


nehmt jetzt ein Glas Kirschenwasser zu euch und gehabt euch wohl, Herr


Doktor!"





Scheffel und Vogelbacher ließen sich auf den ersten Teil der Meysenhartschen


Standpauke nicht ein. Den letzten Satz aber befolgten sie schnell und setzten


ihren Abend mit weiteren Vogelbachern fort.


Aber wie es so ist: der nächste Morgen kommt bestimmt. Ernüchtert von den


Ereignissen um den "Meysenhart Joggele!" fuhren sie Richtung Säckingen und


kamen abermals zum Erstaunen ihrer Freunde an dem Wirtshaus in Egg vorbei.


In Säckingen angekommen, erzählten sie ihre Geschichte von der Irreführung des


"Meysenhardt Joggele" im Amt und auch beim abendlichen Dämmerschoppen.


Doch Amtschirurg Vogelbacher, "der trotz seines Kultus der gebrannten Geister


ein großer Rationalist ist" klärte die Säckinger auf: " Ah was Joggele! Was den


Rechtspraktikanten nach Willaringen zurückgeführt hat, heißt nit Joggele,


sondern Vreneli, und ist dem alten Balthes seine Tochter. Er hat sie am Mittag


schon mit so großen Augen angeguckt."


War's nun der Joggele oder s'Vrenelie ? wir wissen's nicht. Aber so kam auf jeden


Fall der Joggele in die Säckinger Fasnacht.





Viktor von Scheffel



Zitate stammen aus W. Zentner (Hrsg) "Scheffel in Säckingen"


? 1ste Epistel in die Heimat, Bad Säckingen, 1967